Aktuelles
17.05.2013
EREV-Mitgliederversammlung wählte neuen Vorstand
Die Mitgliederversammlung des EREV wählte am 15. Mai im Rahmen der Bundesfachtagung in Bad Honnef einen neuen Vorstand
[mehr] 17.05.2013
EREV-Bundesfachtagung 2013 in Bad Honnef: Pressestimmen und Predigt
Bonner Rundschau, epd, EKiR und Diakonie RWL berichten
[mehr] 17.04.2013
Die "Evangelische Jugendhilfe" 2/ 2013 liegt vor
mit den Themen „Medienpädagogik” und „14. Kinder- und Jugendbericht“.
[mehr] 10.04.2013
Freie Plätze in Seminaren und Fachtagungen im 1. Halbjahr 2013
In folgenden Seminaren und Fachtagungen sind noch Plätze frei
[mehr] 02.04.2013
Freie Plätze in Seminaren und Fachtagungen im 2. Halbjahr 2013
In folgenden Seminaren und Tagungen sind noch Plätze frei
[mehr] 29.03.2013
Der 14. Kinder- und Jugendbericht liegt vor
und kann herunter geladen werden
[mehr] 29.03.2013
Weiteres Fortbildungsangebot 2013
Die Praxiswerkstatt -Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge - Hilfeplanung und besondere Bedarfe findet vom 03. - 04.06.2013 in Hildesheim statt
[mehr] 20.03.2013
Forum Personal- und Organisationsentwicklung
"Blickpunkt "Zukunft Personal" Kompetenzen der Mitarbeitenden und Anforderungen der Praxis
[mehr] 15.02.2013
CJD: Fachtag "Wohin steuern die Hilfen zur Erziehung?"
am 02. Mai 2013 in Bonn
[mehr] 24.01.2013
Software kompetent auswählen - Fortbildungsangebot
Am 05.Februar 2013 findet ein eintägiges Kompaktseminar zum Thema "Software kompetent auswählen" in Kassel statt.
[mehr]

 

Studien zeigen: Benachteiligte Kinder haben arme Eltern

Arme Eltern - benachteiligte Kinder. So könnte das Ergebnis der drei aktuellen Studien zur gesundheitlichen Lage der Jugendlichen zusammengefasst werden.
Deutschlands Kinder sind zum großen Teil gesund, fit und fidel. Das bescheinigt ihnen die große, europaweit einzigartige Studie zur Kinder- und Jugendgesundheit KiGGS, für die das Robert Koch-Institut (RKI) im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums drei Jahre lang mehr als 17 000 Kinder und Jugendliche zwischen null und 17 Jahren untersucht hat.
Neben dem Gesamtergebnis zeigt sich jedoch vor allem eines: Die geballten Risiken für Übergewicht, Essstörungen, mangelnde Gelenkigkeit oder psychische Probleme trägt vor allem der Nachwuchs aus ärmeren Elternhäusern. "Diese Schicht hat alle Nachteile auf einmal", bilanzierte Studienleitern Bärbel-Maria Kurth vom RKI am Montag in Berlin.
Erste Ergebnisse sind bekannt: So sind 15 Prozent der Kinder in Deutschland zwischen drei und 17 Jahren übergewichtig und mehr als sechs Prozent sogar fettleibig. Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern, Stadt und Land gibt es hier ebenso wenig wie bei den Essstörungen, den psychischen Problemen oder bei der Sportlichkeit der Kinder. Allerdings zeigt sich in allen Fällen: Migrantenkinder und der Nachwuchs aus sozial niedrigeren Schichten sind häufiger betroffen.
Die heutigen Jugendlichen sind realistisch. Sie suchen sich, vor allem beruflich, erreichbare Ziele. Für Träume abseits der Norm ist kein Platz.   Was die Pisa-Studie gezeigt hat, verdeutlicht auch die Shell-Studie: Im Auftrag der Deutschen Shell befragten die Expertinnen und Experten im Team von Prof. Dr. Klaus Hurrelmann von der Universität Bielefeld Anfang des Jahres 2006 mehr als 2.500 Jugendliche im Alter von zwölf bis 25 Jahren zu ihrer Lebenssituation, ihren Glaubens- und Wertvorstellungen und ihrer Einstellung zur Politik. Seit 53 Jahren beauftragt der Shellkonzern unabhängige Forscherteams, um Jugendstudien herauszugeben, die jeweils eine aktuelle Sicht auf die Jugendgeneration und ihre Zukunftssichten ermöglichen. Die Chancen auf eine gute Bildung und somit bessere Berufsaussichten hängen immens vom Elternhaus ab. Jugendliche aus der Unterschicht fänden sich häufiger an Hauptschulen und Sonderschulen wieder. Zuversichtlich in die Zukunft blicken 57 Prozent der Gymnasiasten im Vergleich zu den 38 Prozent Hauptschülern. Dabei erzielten sie auch im anschließenden beruflichen Ausbildungsweg nicht die Resultate, die ihrem möglichen Potenzial entsprächen. Die Freizeitgestaltung und das Gesundheitsverhalten hingen ebenfalls stark von der sozialen Herkunft ab. Ausführlicher als früher befasst sich die 15. Shell Jugendstudie mit der Einstellung der Jugend zu Religion und Kirche. Die Jugendlichen von heute bejahen zwar grundsätzlich die Institution der Kirche, vermissen von dieser jedoch zeitgemäße Antworten auf wichtige Lebensfragen, die sie bewegen. Nur 30 Prozent der Befragten zwischen zwölf und 25 Jahren glauben der Studie zufolge an Gott, wie ihn die Kirchen, das Judentum und der Islam verkünden. 19 Prozent glauben an eine höhere Macht. 28 Prozent glauben weder an Gott noch an andere Mächte. 23 Prozent seien «glaubensunsicher», so Hurrelmann. Die Studie kommt zu einem anderen überraschenden Ergebnis: Mädchen ziehen mit Durchsetzungswillen und Flexibilität an den Jungen vorbei. In der Schulbildung liegen sie bereits deutlich vorn. Junge Frauen bilden die neue Leistungselite.
Das Risiko, schwanger zu werden, ist bei einer Hauptschülerin fünf mal so hoch wie bei einer Gymnasiastin. Dies geht aus einer aktuellen Befragung von 1.800 Schwangeren unter 18 Jahren hervor, die von pro familia-Beratungsstellen in Kooperation mit dem Institut für Sexualforschung und forensische Psychiatrie der Universität Hamburg mit finanzieller Unterstützung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) durchgeführt wurde. Über ein Drittel der Schwangeren hat laut der Studie gar nicht oder unsicher verhütet, gut 60 Prozent geben jedoch an, mit der Pille oder Kondom verhütet zu haben. Dies zeigt, dass Anwendungsfehler, aber auch fehlendes Erfahrungswissen bei der Verhütung ein großes Problem darstellen.
Die neuen Studienergebnisse zeigen erstmalig für Deutschland, dass geringe Bildung, Arbeitslosigkeit und soziale Benachteiligung das Risiko von ungeplanten Schwangerschaften deutlich erhöhen.
Ungeplante Schwangerschaften, Gesundheitsrisiken und fehlende Zuversicht. Die Ergebnisse der Untersuchungen weisen den Weg, armen Kindern aus unteren sozialen Schichten Perspektiven zu eröffnen, um aus dem Teufelskreis zu entkommen. Durch die Nutzung vorhandener Instrumente und Stärkung der Erziehungshilfen kann dieses Ziel erreicht werden. Modellprojekte  bringen jedoch die Gefahr mit sich, Hilfen zu beginnen und sie nicht fortsetzen zu können. Das Eintreten für die Potentiale der benachteiligten Kinder muss zentrales politisches Interesse werden.

Björn Hagen

29.09.2006